Harakiri


Langsam ging Herr K. die Straße entlang. Vor einem Haus blieb er stehen. Er schauderte und bemerkte, dass es kalt war.
"Ich hätte doch nicht ohne Jacke aus dem Haus gehen sollen."
Er fühlte an seiner Seite hinab. An der alten Armeehose fand er schließlich sein Messer. Erleichtert lachte er auf.
"Wo hätte es auch sonst sein sollen, ich selbst habe es doch dahin gehängt."
Langsam öffnete er das schmiedeiserne Tor, das dabei klagend einen quietschenden Ton erzeugte. In der Ferne bellte ein Hund die schmale Mondsichel an.
Er schloss das Tor wieder und sah noch mal die Straße entlang.
"Ob wohl jemand das Quietschen gehört hat...Ach was es ist 3 Uhr 41... es werden wohl alle tief und fest schlafen.."
Langsam ging er vom Tor weg in Richtung des Hauses, das etwas weiter hinten im Garten stand. Es war dunkel und er wusste, dass kein Licht angehen würde. Er kannte das Haus und dachte immer voll Bitterkeit an alte Zeiten.
Auf der Straße hinter ihm näherten sich Geräusche. Die Scheinwerfer eines Autos wurden über der Hügelkuppe sichtbar. Geschockt trat er einen Schritt weiter hinter einen Busch und bückte sich. Fast auf Knien sah er wie sich der alte Ford über die Kuppe wälzte und schließlich nach unten verschwand.
"Mich hat wohl niemand gesehen... Gut so..." dachte er während er langsam aufstand.
Seine Gedanken wanderten zurück in längst vergangene Tage.
Wie er sie kennengelernt hatte. Wie er sich unsterblich in sie verliebt hatte. Wie sie ihn gedemütigt hatte. Wie seine Liebe schlussendlich in Hass umgeschlagen war. Hass auf sie, Hass auf sich selbst und Hass auf das Leben.
Sein Gesicht wurde zu einer steinernen Maske und er ging entschlossen weiter. Näherte sich der Haustür des weißgetünchten Hauses. Er wollte zur Hintertür und ging links herum. Auf halben Wege fing der Wald an und er tauchte ab im Dunkel der Bäume.
An der Hintertür angekommen nahm er seine Brechstange.
"Diese Hintertür ist schon damals auseinandergefallen also werde ich sie auch nun aufbekommen." Vorsichtig setzte er an und zog einmal mit aller Kraft. Mit einem viel zu lauten Krachen brach das Schloss und die Tür öffnete sich ein Stück. Das Brecheisen lehnte er gegen ein Wand und schon war er im Haus.
Auf einmal ging alles wie von allein. In dem großen Keller standen einige Getränkekisten und eine alte Waschmaschine . Mehr konnte er ihm schemenhaften, fast nicht vorhandenen Licht nicht sehen.
Aber er kannte den Weg. Die Treppe hoch, eine Tür auf und schon war er in der Wohnung. Die erste Tür links war die Küche. Einer Eingebung folgend trat er ein und ging an den Schrank. Er öffnete auf Anhieb die richtige Schublade.
"Sie hat also immer noch dieselbe Ordnung."
Vorsichtig nahm er das lange japanische Messer heraus.
"Es ist sowieso viel zu lang um damit Zwiebeln zu schneiden."
Er schob die Schublade wieder zu und ging weiter. Die nächste Tür war das Wohnzimmer, doch er ging eine weiter. Blieb lange stehen. Er dachte noch mal nach. Summte in Gedanken einen Liedtext den er oft gehört hatte:
"Zwischen deine Schulterblätter passt ein Messer und ein Kuss. Zwischen uns liegt dieser Morgen wie ein dunkler breiter Fluss. Aufgespalten mit der Zunge hab ich gestern deinen Mund, und du bist bei mir geblieben viel zu lange, Stund um Stund."
Er öffnete leise die Tür. Sah wie das schwache Licht des Mondes auf sie schien. Langsam trat er an das Bett. Er hob das Messer und stach zu.
Der erste Hieb. Noch einer. Ein erschrecktes Keuchen war zu hören. Egal. Immer weiter. Noch einmal. Ihm spritze das warme Blut in sein Gesicht.
Leise sang er das Lied.
?Nur wer feige ist tötet Liebe durch das Wort allein. Für das Messer braucht es Helden und ich kann nicht feige sein."
Immer wieder stach er auf sie ein. Immer schneller floss das Blut. Ihre Seele verließ ihren Körper. Er stach weiter zu in seinem Wahn.
Als er schließlich von ihr abließ begutachtete er sein Werk. Sie war nicht mehr zu erkennen. "Gut so."
Langsam ging er aus dem Zimmer. Er stieg die Treppe hinab. Blut tropfte ihn von der Kleidung auf den Boden. Er leckte sich über die trockenen Lippen und schmeckte ihr Blut, welches im bis ins Gesicht gespritzt war.
Eine tiefe Befriedigung durchfuhr ihn. Er ging durch den Keller hinaus, warf das Messer weit in den Wald und ging rechts um das Haus, trat aus den Wald und eilte zur Straße. Dort angekommen stieß er das Tor auf und fing an zu laufen. Immer schneller rannte er die Straße hinab. Dabei sang er laut das Lied.
"Nur wer Feige ist... und ich kann nicht Feige sein."
Ein BMW kam ihn entgegen. Der Fahrer bremste voll ab und öffnete die Tür, kam auf den
Bürgersteig und stellte sich ihm in den Weg.
Er zog sein Messer aus der Hose.
?Dann wirst du auch noch an dein Blut kommen."
Aus vollen Lauf stach er auf das Gesicht des Mannes ein. Ein erschreckter Schrei kam als Antwort. Immer wieder stach er auf den Mann ein und durchtrennte schließlich seinen Hals.
"Der Geist des Krieges ist erwacht, flammt durch die Nacht nehmt euch in acht. Der Geist des Krieges ist erwacht nehmt euch in acht, ich hab die Macht."
Er ließ ab und rannte weiter. In den Häusern gingen die Lichter an. Er floh vom Ort des Geschehens. Schließlich sah er die Schienen, auf die er zugehalten hatte. Hier fuhr der Zug durch einen Tunnel. Hinter sich hörte er erschreckte Schreie. Er sprang auf die Schienen und rannte in den Tunnel.
Wenig später hörten die erwachten Leute einen Zug im Tunnel die Bremsen ziehen.


Songtexte:
Das Messer
Geist des Krieges
beide Subway to Sally


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